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GeschichteBearbeiten

Ivern Brombeerbart, bekannt als der Hüter der Haine, ist ein seltsames Wesen, halb Mensch, halb Baum. 

Bildschirmfoto 2017-06-17 um 15.08.11

Er durchstreift Runeterras Wälder und pflegt das Leben, wo immer er hingeht. Er kennt die Geheimnisse der Natur und ist ein Freund von allem, was wächst, fliegt und krabbelt. Ivern durchwandert die Wildnis und lehrt allen, denen er begegnet, seltsame Weisheiten. Die Wälder wispern von seinem Reichtum an Geschichten und manchmal gibt er seine Geheimnisse sogar an tratschende Schmetterlinge weiter. Einst, in den frühen Tagen Freljords, war Ivern ein bärbeißiger Krieger mit unbezwingbarem Willen und eiserner Entschlossenheit. Doch als die Eisgeborenen sich erhoben und ihn und seinesgleichen nur als schwache Sterbliche ansahen, die es wagten, sich ihnen in den Weg zu stellen, war er machtlos. Mit seinen Stammesgenossen schmiedete er Pläne, wie sie ihre zauberkräftigen Herrscher stürzen konnten. Ivern der Grausame und das kampfgestählte Bataillon unter seinem Kommando setzten in den eisigen Häfen der Frostwächter Segel in Richtung eines fernen Landes, das der Legende nach die Quelle aller Magie war. Wenn er diese Macht für sich gewinnen könnte, wäre Ivern dazu fähig, die Eisgeborenen zu zerschmettern. Als die Flotte den Horizont erreichte, segelte sie gleichsam auch aus der Geschichtsschreibung Freljords und hinein ins Reich der Mythen, denn sie wurde nie wieder gesehen. Ihre Spuren im Schnee wurden vom Winde verweht. Das Meer, das ihrem ehrgeizigen Ziel mit ebenso gleichgültiger Grausamkeit gegenüberstand wie allem anderen, sandte ihnen frostige Wogen und eisige Stürme, die selbst die Herzen der wildesten Männer gefrieren ließen. Ivern richtete Dutzende feige Meuterer hin, bevor er schließlich in Ionia an Land ging und dort jedwedem Widerstand der Einwohner brutal ein Ende setzte. Die Ionier ergaben sich und führten die Invasoren aus Freljord zu einem geheiligten Hain: Omikayalan, dem Herzen der Welt. Die meisten von Iverns Leuten hielten den Hain für ein würdiges Geschenk an die Eroberer, ein Zeichen der Unterwerfung und Loyalität. Doch dort, in diesem seltsamen, sattgrünen Garten, trafen sie auf noch viel erbitterteren Widerstand. Ein mysteriöser neuer Feind stand ihnen gegenüber. Chimären, halb Mensch, halb Tier, machten dort Jagd auf die rapide schwindende Streitmacht der Möchtegern-Eroberer. Ivern selbst aber trieb die Überreste seiner Truppen voran, bis die wenigen, die sich trotz ihrer zerschmetterten Rüstungen und blutenden Wunden voranschleppten, sahen, was den Ioniern so heilig war: die Götterweide, ein gewaltiger Baum mit langen, sich im Wind neigenden Ruten, die in golden-grünem Licht erstrahlten. Seine Männer verloren in einem letzten Ansturm das Leben, doch Ivern selbst war wie gebannt von dem mystischen Baum. Er wollte den Kampfeswillen seiner Feinde endgültig brechen, und so griff er seine Axt und schwang sie mit der Kraft von zehn Kriegern gegen den Stamm. Er spürte keinen Aufschlag. Er spürte gar nichts. Er sah nur das blendende Licht, als er die Götterweide fällte und alles Leben in ihr auslöschte. Noch seltsamer war, was dann geschah – seine Hände verschmolzen mit seiner Streitaxt und wurden eins mit dem Holz der Götterweide. Seine Glieder wurden länger, sie krümmten sich, und wurden borkig und rau. Er konnte sich nicht einmal rühren, während die Verwandlung den Rest seines Körpers erfasste. Binnen weniger Augenblicke war er auf 100 Zoll angewachsen und blickte hernieder auf das Schlachtfeld mit seinen erschlagenen Kameraden. Er fühlte keinen Herzschlag, aber er war wach und sich seiner selbst bewusst. Tief in seinem Inneren hörte er eine Stimme. „Schau hin“, sprach sie. Innerhalb weniger Sekunden (oder zumindest kam ihm dies so vor) verwesten die Körper unter farbenprächtigen Pilzen und summenden Insekten. Ihr Fleisch nährte die Wölfe und geflügelte Aasfresser gleichermaßen. Ihre Knochen verrotteten zu fruchtbarer Erde und die Samen verzehrter Früchte keimten und wuchsen zu Bäumen, die ihrerseits Früchte trugen. Hügel erhoben sich und sanken nieder wie eine Brust, die sich sanft mit Atem füllt. Blätter und Blüten pulsierten wie bunte Herzen. Aus dem Tod, der Ivern umgab, schoss Leben in unglaublicher Vielfalt hervor. Nie hatte Ivern eine derartige Schönheit gesehen. Das Leben in all seinen Formen war verworren verbunden wie ein unmöglicher Knoten, der nicht aufgelöst werden wollte. Er dachte über seine Fehler nach, über die Grausamkeiten, die er begangen hatte, und er spürte, wie ihn Reue überkam. Er weinte und Tränen wie Tautropfen bildeten sich auf der Borke und den Blättern, die nun seinen baumartigen Körper bedeckten. „Werde ich nun zur Götterweide?“, fragte er sich. Dann hörte er erneut die Stimme in seinem Inneren. „Höre genau hin“, sagte sie. Und das tat er. Zuerst hörte er gar nichts. Doch dann vernahm er das Winseln zahlloser Tiere, das Schluchzen der Flüsse, das Heulen der Bäume und die Tränen der Moose. Sie alle fühlten den Tod der Götterweide und stimmten in ihr Klagelied ein. Bedauern erfasste Ivern und er flehte um Vergebung. Ein winziges Eichhörnchen kuschelte sich an seine Beine. Er fühlte den Blick der Tiere um ihn herum. Pflanzen liebkosten ihn mit ihren Wurzeln. Der Blick der Natur ruhte auf ihm und er fühlte die Wärme der Vergebung. Als Ivern sich zum ersten Mal wieder bewegte, war ein Jahrhundert vergangen und die Welt fühlte sich erneuert an. Die Gewalttätigkeit und Grausamkeit seines alten Selbst waren fahle Echos in seinem Herzen. Er würde nie wieder der Mann sein, der so viel Zerstörung gebracht hatte. Und er fragte die Stimme in seinem Inneren, Warum wurde gerade er verschont? Die Stimme sprach ein drittes Mal. „Wuchern und wachsen“, sagte sie. Das gab ihm Rätsel auf. Sollte er wachsen? Oder der Welt beim Wachsen helfen? Er beschloss schließlich, dass es beides sein musste – ein bisschen Wachstum würde niemandem schaden. Ivern sah an sich herab, betrachtete seine borkige Haut, den Pilz auf seinem Arm, die geborgene Eichhörnchenfamilie dort, wo früher die Scheide seiner Axt gehangen hatte. Dieser neue Körper erstaunte ihn. Er bemerkte, dass wenn er seine Wurzelzehen tief ins Erdreich grub, er mit Insekten und Pflanzen Zwiesprache halten konnte. Selbst der Humus hatte seine eigene Meinung! Ivern entschied, dass der bestmögliche neue Anfang sein würde, all die Bewohner der Welt kennenzulernen. Und so tat er das auch. Das dauerte ein paar Jahrhunderte – wie viele genau, wusste er nicht. Die Zeit vergeht wie im Fluge, wenn man Spaß hat. Er durchwanderte die Welt und freundete sich mit großen wie kleinen Wesen an. Er beobachtete ihre Marotten, fand Freude an ihren kleinen Gewohnheiten und bot manchmal einen helfenden Zweig. Er setzte Raupen auf ihre Lieblingsblätter, scherzte mit schlitzohrigen Dornenrücken, umarmte widerborstige Elmarks, bis sie wieder lächelten, und lachte mit weisen alten Pilzen. Wo immer Ivern hinging, erblühten die Wälder in ewigem Frühling und Tiere lebten in Einklang. Manchmal rettete er auch Wesen, die von achtlosen Räubern verwundet worden waren. Einmal fand er einen verletzten Steingolem. Er wusste, dass sie dem Tode nahe war, also schuf er ihr ein neues Herz aus einem Flusskiesel. In der Tradition aller Steinwesen wurde dieser Golem Iverns Freundin fürs Leben. Er nannte sie Blümchen, nach den Blumen, die auf unerklärliche Weise unerlässlich auf ihrem felsigen Leib wuchsen. Und noch heute kommt sie ihm jederzeit zu Hilfe, wenn sein Leben bedroht ist. Manchmal begegnete er auch Gemeinschaften von Menschen, oft sogar friedfertigen. Sie nannten ihn Brombeerbart oder den Hüter der Haine, und erzählten sich Geschichten von seiner seltsamen Gutmütigkeit. Doch die Art, wie sie mehr nahmen, als sie gaben, wie sie so grausam und menschlich waren, verstörte Ivern und er zog sich von ihnen zurück. Dann sprach die Stimme in ihm ein viertes Mal. „Zeigen und verstehen“, sagte sie. Ivern verließ die Wälder und reiste in eine Welt, die die Menschheit für sich beansprucht hatte. Er spürte wieder die Entschlossenheit, die einst seine größte Stärke war, doch dieses Mal stammte sie nicht von Boshaftigkeit oder Grausamkeit her. Eines Tages würde er zurückgeben, was er genommen hatte. Wenn er die neue Götterweide werden wollte, musste er sich der Menschheit annehmen und ihnen dabei helfen, hinzusehen, hinzuhören, zu wuchern und zu wachsen. Da er einst selbst ein Mensch gewesen war, wusste Ivern, dass dies schwierig werden würde. Doch er lächelte und schwor sich, dass er diese Aufgabe erfüllen würde, bevor die Sonne das letzte Mal unterging. Er wusste, dass er so lange Zeit haben würde.

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