FANDOM


Champion Hintergrund Strategie Skins & Trivia


Geschichte Bearbeiten

Illaoi, die Krakenpriesterin Bearbeiten

„Weisheit besteht oft aus einem gezielten Tritt gegen den Kopf.“ Illaois unerschütterliches Gottvertrauen stellt sogar ihren beeindruckenden Körperbau in den Schatten. Als Prophetin des Großen Kraken setzt sie einen riesigen, goldenen Götzen ein, um die Seelen ihrer Gegner aus deren Körpern zu reißen und ihre Wahrnehmung der Realität splittern zu lassen. Jeder, der die „Trägerin der Wahrheit von Nagakabouros“ herausfordert, erkennt bald, dass Illaoi nie alleine kämpft – der Gott der Schlangeninseln steht ihr stets zur Seite. Wer auf Illaoi trifft, wird von ihrer unglaublichen Präsenz in den Bann gezogen. Die Priesterin ist eine willensstarke Frau, die sich ganz dem Leben verschrieben hat. Sie nimmt sich, was sie will, zerstört, was sie hasst, und genießt, was sie liebt, in vollen Zügen.

Um Illaoi allerdings vollkommen zu durchschauen, muss man die Religion verstehen lernen, der sie ihr Leben gewidmet hat. Nagakabouros, die Gottheit ihres Glaubens, wird normalerweise als riesiger Schlangenkopf dargestellt, um den sich unendliche Tentakeln winden, die weder Anfang noch Ende zu haben scheinen. Der Große Kraken wird auch die Mutter aller Seeschlangen genannt oder die Bärtige Dame. Auf den Schlangeninseln ist Nagakabouros bekannt als der Gott des Lebens, der Meeresstürme und der Bewegung (eine wortwörtliche Übersetzung wäre „das unendliche Monster, das die See und den Himmel in Bewegung hält“). Die Theologie des Glaubens basiert auf drei Grundlehren: Jede Seele wurde geboren, um dem Universum zu dienen; das Universum hat jedem Lebewesen Verlangen eingegeben; das Universum bewegt sich nur auf seine Bestimmung zu, wenn Lebewesen ihrem Verlangen folgen. Niedere Priesterinnen haben die Aufgabe, die Tempel in Stand zu halten, heilige Schlangen anzurufen und den Menschen die Lehren von Nagakabouros nahezubringen. Als Trägerin der Wahrheit besteht Illaois Rolle darin, dem Gott direkt zu dienen und den Fluss des Universums zu enthemmen. Um dies zu erreichen, muss sie zwei heiligen Verantwortungen nachgehen.

Die erste Aufgabe der Trägerin der Wahrheit ist es, im Kampf gegen den Untod an vorderster Front zu kämpfen. Die Untoten sind aus dem gewöhnlichen Fluss des Universums geraten und werden als Abscheulichkeiten angesehen, die Nagakabouros’ Namen beflecken. Während jeder Priesterin des Kraken die Aufgabe zukommt, die Bevölkerung vor der Plage zu schützen, stellt sich die Trägerin der Wahrheit den mächtigsten Geistern direkt entgegen und treibt die schwarzen Schwaden zurück.

Illaois zweite Aufgabe besteht darin, Individuen mit großem Potenzial zu finden und sie mit dem Test von Nagakabouros zu konfrontieren. Diese Aufgabe stellt gleichzeitig auch die Bürde dar, die Illaois Stand mit sich bringt. Mit ihrem gigantischen, heiligen Relikt, dem Auge des Gottes, trennt die Trägerin der Wahrheit die Seele des Anwärters von dessen Körper und zwingt ihn dann, sich ihr zu stellen. So soll der Anwärter seinen Wert unter Beweis stellen. Ihr ist dabei sehr wohl bewusst, dass diejenigen, die versagen, vollkommen ausgelöscht werden, denn der Große Kraken duldet weder Feigheit, noch Zweifel oder Hemmungen. Jedoch ist die Auslöschung nie das Ziel. Wer diese Feuerprobe überlebt, ist für immer gewandelt und findet oft auch den Willen, seine oder ihre wahre Bestimmung zu verfolgen. Obwohl Illaoi die mächtigste Trägerin der Wahrheit seit hundert Generationen ist, der am meisten Respekt entgegen gebracht wird, sind es die Male, an denen sie mit den Traditionen ihres Glaubens gebrochen hat, die am meisten über sie aussagen. Nachdem sie ihre Ausbildung als Trägerin der Wahrheit abgeschlossen hatte und auf dem Höhepunkt ihrer Macht stand, ließ Illaoi die goldenen Tempel von Buhru für das Elend des nahen Bilgewassers zurück. Die Piratenstadt ist der einzige Ort auf den Schlangeninseln, an dem Fremde geduldet werden. Unter Illaois Volk ist sie hauptsächlich als stinkende Gosse bekannt. Illaois Vorgänger würdigten die Stadt keines Blickes und behandelten die Fremden nicht viel besser als Aussässige. Die neue Trägerin der Wahrheit jedoch brach mit der Tradition, als sie sich dazu entschloss, die Bewohner von Bilgewasser vor der Plage zu schützen. Sie ging sogar noch weiter und entschied, dass die Seelen einiger Bewohner es wert seien, sich dem großen Test zu stellen, was sicherlich nicht die Zustimmung aller fand. Trotz allem wurden bisher nur eine Handvoll Tempel in der Stadt eröffnet und nur ein paar paylangi (wie die Inselstämmigen Bewohner nennen, die vom Festland abstammen) wurde auch der Zutritt gewährt. Nichtsdestotrotz ist es Illaoi zu verdanken, dass die Mutter aller Seeschlangen in Bilgewasser jetzt weithin bekannt ist, und ihr unzähmbarer Geist zeichnet sich dafür verantwortlich, dass ihre Religion dort in der Gunst der Bewohner steht.

Es hält sich das hartnäckige Gerücht, dass die imposante Priesterin dem blutrünstigsten und berüchtigtsten Piraten von Bilgewasser das Herz gebrochen hat. Niemanden, der sie je getroffen hat, sollte dies groß überraschen. Hinter Illaois rauer Art liegen eine subtile Intelligenz, Stärke und ein anziehendes Selbstvertrauen verborgen. Viele versuchen sich mit Illaoi gut zu stellen und heißen sie in Bilgewasser willkommen … und doch fürchten sie sich alle davor, von der Prophetin des Kraken auf die Probe gestellt zu werden.

„Es kann keine Ruhepause geben. Wir sind Bewegung.“ – Aus Die zwanzig Weisheiten von Nagakabouros

„Trägerin, deswegen müssen wir uns nach Buhru zurückziehen. Wir können die paylangi nicht retten“, sagte die Hierophantin. Die stämmige Frau grinste. Die Aussicht, Bilgewasser zu verlassen, erfüllte sie offensichtlich mit Freude. „Das hattest du bereits erwähnt“, sagte Illaoi, während sie den steinernen Tisch in der Mitte des Raumes umrundete.

Sie ließ ihre Schultern kreisen, um die Muskeln zu lockern und ein Gähnen zu unterdrücken. Neben der Hierophantin stand ein ältlicher Schlangenrufer. Er trug aus Seilen gefertigte Kleidung. Jeder der tiefblauen Stricke war so gewoben worden, dass sie sich kringelten; mit den unterschiedlich dicken Seilen und der verblichenen Krakentinte sah er aus, als wäre er mit unsauber gehackten Tentakeln behängt. Sein Gesicht war vollständig von einem schwarzen Tattoo bedeckt, das die endlosen Zahnreihen im Schlund eines Leviathans darstellen sollte. Mönche und Schlangenrufer versuchen immer, durch ihr Aussehen einzuschüchtern. Das ist die lästige Angewohnheit der meisten Männer.

„Nicht einmal die großen Tiere nähern sich Bilgewasser“, keuchte der Schlangenrufer. „Sie bleiben draußen im tiefen Wasser, fernab vom Gestank der Schlachterdocks. Im besten Fall erhören ein paar halbverhungerte Jungtiere unser Rufen.“

Nur die größten Kinder von Nagakabouros waren stark genug, die Schwaden in sich aufzunehmen und die Stadt gegen die Plage zu verteidigen. Den Rest der Schlangeninseln betraf dieses Problem nicht. Ein weiteres Indiz für die Ignoranz der Bewohner von Bilgewasser. Die Leute vom Festland und ihre Nachkommen nahmen sich nicht die Zeit, frisches Wasser durch ihre Docks fließen zu lassen, um diese zu reinigen. Stattdessen etablierten die paylangi entlang der Küste in der Bucht permanente Ankergründe. Solche Narren. Viele der Priester sahen dies als Beweis dafür an, dass die paylangi in Wirklichkeit von den schwarzen Schwaden verzehrt werden wollten.

„Verdammt“, sagte Illaoi. Wenn sie bleiben wollte, musste sie einen anderen Weg finden, um die Stadt ohne Schlangen zu verteidigen. Sie ließ den Blick über das Essen in einer der Opferschalen um sie herum streifen, bevor sie sich für eine Mango entschied. Sie brauchte einen Plan und diese zwei Narren waren nutzlos. Ein lautes Krachen unterbrach ihren Gedankenfluss. Eine schwere Holztür war unten schwungvoll aufgestoßen worden. Gangplank heulte unverständliche Worte, die von den Steinwänden zurückgeworfen wurden.

„Wir haben ihn aus dem Wasser gezogen, wie du befohlen hattest“, meinte die Hierophantin mit einem Lächeln und rückte den Jadekragen zurecht, der ihrem Amt vorbehalten war. „Vielleicht wäre es besser gewesen, seine Energie zu Nagakabouros zurückkehren zu lassen?“ „Du richtest nicht über Seelen.“ „Natürlich, Trägerin, dies bleibt allein Nagakabouros vorbehalten“, sagte sie. Ihr Tonfall deutete an, dass sie Illaoi für voreingenommen hielt.

Illaoi lenkte ihre Schritte zwischen den beiden Geistlichen hindurch, die sie überragte. Sogar für eine Inselstämmige war die Trägerin der Wahrheit groß. Sie war es schon immer gewesen. Sie überragte selbst die größten Nordmänner. Als kleines Mädchen hatte sie sich dafür geschämt, weil sie die Leute immer anzurempeln schien, doch inzwischen hatte sie dazu gelernt. Wenn ich in Bewegung bin, dann sollten sie schlau genug sein, mir aus dem Weg zu gehen. Sie hob das Auge des Gottes aus seiner Halterung. Der goldene Götze war größer als ein Weinfass und um ein Vielfaches schwerer. Ihre Finger kribbelten, als sie das kalte Metall berührte. Es hatte zwar neben einem großen, brennenden Feuer geruht, das den Raum erleuchtete, aber das Auge des Gottes blieb immer kühl und feucht. Geschickt schulterte Illaoi sein enormes Gewicht. In einem Dutzend Jahren war die Trägerin der Wahrheit nie mehr als zwei Schritte von ihm entfernt gewesen.

„Ich kenne meine Pflichten, Hierophantin“, sagte Illaoi auf dem Weg die Treppe hinunter. „Wir ziehen uns nicht nach Buhru zurück. Ich werde der Plage hier Einhalt gebieten.“ Die Hohepriesterin hatte sich seit ihrer Ankunft aus Buhru pausenlos beklagt, aber in ihren Worten steckte auch ein Körnchen Wahrheit. Als Gangplanks Schiff in die Luft ging, schlug Illaois Herz ihr bis zum Hals. Es war bereits viele Jahre her, dass sie das Bett geteilt hatten, viele Jahre seit dem Ende der Beziehung … doch ganz verschwunden waren die Gefühle nicht. Sie hatte ihn einst geliebt … den dummen, alten Bastard. Der Innenhof des Tempels war umgeben von hohen Mauern, die aus ineinandergreifenden Steinen errichtet worden waren, und hatte die Form eines mit Reißzähnen gespickten Schlundes eines Leviathans. Der Eingang lag hoch über den blauen Wassern der Bucht. Illaoi stampfte die Treppe hinunter und ging auf das Eingangstor zu. Sie nahm an, dass sie Gangplank über den Mund fahren werden müssen; er neigte zu Arroganz und war dem Rum zu sehr zugetan. Trotzdem würde sie es genießen, ihn zu sehen.

Sie war nicht auf die knurrige Kreatur vorbereitet, die sie am Eingang ihres Tempels erwartete. Sie wusste, dass er verletzt worden war, aber nicht wie schwer. Er humpelte sichtlich und stand wegen seiner gesplitterten Rippen vornüber gebeugt. Die Überreste seines Armes hielt er fest umklammert. Mit dem anderen Arm fuchtelte er wild herum und versuchte sich halb wahnsinnig mit seiner Pistole die Mönche und Priesterinnen vom Leib zu halten; ihm war eindeutig nicht bewusst, dass er es diesen Leuten verdankte, dass sein schiffbrüchiger Körper ein paar Stunden zuvor aus der Bucht gezogen worden war. Außerdem war seine Pistole offensichtlich nicht geladen und vollkommen nutzlos.

„Wo ist Illaoi?“, bellte er. „Ich bin hier, Gangplank“, antwortete sie. „Du sahst auch schon mal besser aus.“ Er fiel auf die Knie. „Das habe ich Miss Fortune zu verdanken. Wem sonst. Und diesen Gassenhuren. Sie haben es versenkt.“ „Dein Kriegsschiff ist mir egal“, sagte sie. „Du hast immer gesagt, ich soll nicht zurückblicken. Wieder raus aufs Meer. Ich brauchte ein Boot.“ „Für die See braucht man nicht viel mehr als ein Kanu.“ „Diese Stadt gehört mir!“, schrie er. Die Mönche und Priesterinnen, die um Gangplank herumstanden, wurden nach diesem Ausbruch merklich angespannter. Es war schon gefährlich genug, dass Gangplank so töricht war, in einem Bauwerk, das tausende Jahre älter war als seine Stadt, eine solche Behauptung aufzustellen. Aber als paylangi die dreifach geweihte Trägerin der Wahrheit in ihrem eigenen Tempel anzuschreien? Jeder andere Mann wäre schon längst mit zertrümmerten Kniescheiben in die See geworfen worden.

„Das ist meine Stadt!“, röhrte er noch einmal. Er war so zornig, dass er beim Sprechen Speicheltropfen versprühte. „Und was gedenkst du nun zu tun?“, fragte Illaoi. „Ich, ich brauch die Unterstützung von Okao und den anderen Häuptlingen. Sie werden auf dich hören … wenn du sie fragst. Wenn du sie bittest, dann werden sie mir helfen.“ Er senkte seinen Kopf. „Was gedenkst du zu tun?“, fragte Illaoi lauter als zuvor. „Was kann ich tun?“, gab er hoffnungslos zurück. „Sie hat mir mein Schiff genommen, meine Männer, meinen Arm. Alles was mir geblieben war … hatte ich hier bekommen.“ „Lasst uns alleine“, befahl Illaoi den anderen Priestern und ging auf das Tor zu. Sie blickte auf Gangplank herab. Sie hatte ihn vor zehn Jahren das letzte Mal gesehen; mittlerweile hatten Alkohol und Sorgen sein gutes Aussehen verwittern lassen.

„Diese Stadt ist alles, was mir wichtig ist. Und ohne deine Hilfe …“ Seine Stimme verlor sich, als sich ihre Blicke kreuzten. Illaois Blick war so hart und gnadenlos wie der Kraken. Gangplank sollte rein gar nichts bekommen. Nagakabouros’ Priesterin konnte weder Mitleid noch Mitgefühl zeigen, selbst wenn ihr das die Kehle zuschnürte. Verzweifelt wich der alte Kapitän ihrem Blick aus.

„Ich könnte dir diesen Gefallen tun“, sagte Illaoi, „und auf mein Wort hin würden sich die Stämme und Okaos Bande dir anschließen. Aber warum sollte ich das tun?“ „Hilf mir, verdammt noch mal! Du stehst in meiner Schuld“, blaffte er sie wie ein kleines Kind an. „Ich stehe in deiner Schuld?“ Illaoi ließ die Worte in ihrem Mund herumrollen. „Ich halte die Rituale am Leben. Ich bringe die Opfer dar“, fauchte Gangplank. „Aber anscheinend hast du die Lektion dabei nicht gelernt. Rituale? Opfer? Du sprichst von Dingen für schwache Männer und ihre schwachen Götter. Mein Gott will Taten sehen“, sagte Illaoi. „Ich habe für diese Stadt gelitten! Ich habe für sie geblutet. Sie gehört rechtens mir!“

Illaoi wusste, was zu tun war. Sie hatte es gewusst, bevor das erste Wort über Gangplanks Lippen gekommen war. Sie hatte es bereits Jahre, bevor sein Schiff versenkt wurde, gewusst. Gangplank war vom Weg abgekommen. Er hatte zu lange im Hass und Selbstmitleid, die sein Vater ihm eingeprügelt hatte, vor sich hin gebrütet. Illaoi war ihrer Pflicht nicht nachgekommen. Sie hatte sie ignoriert, weil sie ihn einst geliebt hatte und weil sie ihn auf diesen Pfad geführt hatte, als sie ihn verließ. Er war zufrieden gewesen mit seinem Leben als Mörder und Korsar, ganz der Pirat, und hatte kein Interesse am Titel seines Vaters, dem Plünderkönig, gezeigt. Erst nachdem sie sich getrennt hatten, hatte er den Anker gelichtet und es sich zur blutigen Aufgabe gemacht, der Herr von Bilgewasser zu werden. Illaoi bekam feuchte Augen. Seine Zeit war vorüber. Er hatte es nicht geschafft weiterzugehen. Weiterzukommen. Sich weiterzuentwickeln. Und jetzt? Jetzt würde er an Nagakabouros’ Test scheitern. Aber er musste sich dem Test stellen. Er war hier, um sich dem Test zu stellen. Illaoi sah den alten Piraten vor ihr an. Könnte ich ihn einfach fortschicken? Darauf vertrauen, dass er ein letztes Bisschen Stärke oder Ehrgeiz in sich trägt, die ihn voranbringen? Wenn ich ihn fortschicke, bleibt er vielleicht am Leben …

Das war nicht Nagakabouros’ Art. Das entsprach nicht der Rolle der Trägerin der Wahrheit. Jetzt war nicht die Zeit dafür, sich zu hinterfragen oder zu zweifeln. Wenn sie ihrem Gott vertraute, dann musste sie ihren Instinkten vertrauen. Wenn sie spürte, dass er sich dem Test stellen sollte, dann war das der Wille ihres Gottes. Und welche Närrin würde einen Mann einem Gott vorziehen? Illaoi hielt den Griff des Auges des Gottes fest umklammert, als sie den schweren Goldgötzen von ihrer Schulter nahm. Er fühlte sich gewohnt leicht an und doch konnte sie sein Gewicht deutlich spüren. „Bitte“, flehte Gangplank. „Sei wenigstens nachsichtig mit mir.“ „Ich werde ehrlich zu dir sein, dir die Wahrheit zeigen“, entgegnete Illaoi und rüstete sich innerlich. Sie ließ ihren Fuß von oben herabschnellen und zerschmetterte mit der Hacke Gangplanks Nase, die unschön knirschte. Er flog wie ein Betrunkener nach hinten, Blut tropfte seine Lippe herunter. Er rollte sich herum und stierte sie an, seine Augen blitzten vor Wut.

„ERBLICKE DIE WAHRHEIT!“, stimmte Illaoi an. Sie öffnete ihren Geist und rief die Energie der Mutter aller Seeschlangen an, als sie den riesigen Götzen nach vorne schwang. Ein glühender Nebel trat aus dem Mund des Götzen aus und blaugrüne Energiewirbel formten sich um das Gesicht der Mutter aller Schlangen, bevor sie zu geisterhaften Tentakeln wurden. Mit einem Hauch von Gold durchsetzt waren diese Fangarme so wunderschön wie ein Sonnenaufgang über dem Wasser und so schrecklich wie die dunkelste Abscheulichkeit vom Meeresgrund. Immer mehr Tentakeln wuchsen aus dem Götzen und vermehrten sich im Raum, als würde eine unbekannte mathematische Formel sie multiplizieren. Sie wurden immer größer und jedem wachsenden Arm schienen sowohl alle Hoffnungen als auch alle Schrecken der Welt innezuwohnen. „Nein!“, schrie Gangplank. Aber der Wirbelsturm aus Tentakeln schenkte seinen Schreien keine Beachtung, als er ihn in seine Mitte nahm.

„Stelle dich Nagakabouros!“, rief sie. „Beweise dich!“ Die Tentakel griffen nach Gangplank, dann tauchten sie in seine Brust ein. Er erschauderte, als die geisterhaften Bilder seiner vorherigen Leben um ihn herum flimmerten. Er schrie auf, als seine Seele aus seinem Körper gerissen wurde. Sein Doppelgänger stand unbeweglich vor Illaoi. Gangplanks Geist schwelte wie ein blendend blaues Feuer, sein Körper knisterte und funkelte durch seine Vorleben hindurch.

Der Wald aus Tentakeln griff den verwundeten Kapitän an. Gangplank rollte herum und kam mit Mühe auf die Füße, während er so vielen wie möglich auswich. Doch für jeden, unter dem er sich hinwegducken konnte, erschienen ein weiterer. Die Realität um ihn herum verzerrte und verwirbelte sich. Der Tentakelschwarm traf ihn hart, drückte ihn zu Boden und zog ihn immer weiter von seiner Seele fort – dem Vergessen entgegen. Illaoi wollte das nicht mit ansehen. Mehr als alles andere wollte sie ihren Blick abwenden. Es ist meine Pflicht, sein Dahinscheiden zu verfolgen. Er war ein großer Mann, aber er hat versagt. Das Universum verlangt – Gangplank erhob sich. Langsam, doch unaufhaltsam und beharrlich zwang er seinen gebrochenen Körper aufzustehen. Er riss die Tentakel von sich und bahnte sich Schritt für mühsamen Schritt einen Weg durch ihre Masse, während er vor Qualen brüllte. Blutig und erschöpft stand er letztendlich vor Illaoi. Seine Augen traten voller Hass und Schmerz hervor, doch blitzten sie auf zielstrebig. Mit letzter Kraft erreichte er das glühende Angesicht seines Geistes und trat hinein.

„Ich werde König sein.“ Der Wind verstummte. Die Tentakel zerstoben in kleine Lichtblitze. Nagakabouros war zufrieden. „Du bist in Bewegung“, lächelte Illaoi. Gangplank stand einige Finger breit von seiner ehemaligen Geliebten entfernt und starrte sie trotzig an. Sein Rücken bog und seine Brust hob sich mit den süßen Atemzügen der Entschlossenheit – er war wieder der stolze Kapitän von einst.

Gangplank drehte sich um und ging davon. Seine Verletzungen waren noch genauso schwer wie zuvor und er humpelte, doch sein Gang zeugte wieder von seiner gewohnten Verwegenheit. „Das nächste Mal, wenn ich dich um Hilfe bitte, sag einfach Nein“, knurrte Gangplank. „Kümmere dich um deinen Arm“, sagte Illaoi. „War schön, dich mal wieder zu sehen“, sagte er, als er den Tempel verließ und die Stufen hinab zum Wasser nahm. „Dummer, alter Bastard“, grinste sie. Als die Mönche und die Hierophantin in die Vorkammer zurückkehrten, fiel Illaoi wieder ein, dass sie tausende Dinge zu erledigen hatte. Eintausend kleine Bürden, die sie tragen musste. Die Trägerin der Wahrheit musste sich bald mit Sarah Fortune treffen. Illaoi hatte die Vermutung, dass Nagakabouros die Kopfgeldjägerin bald auf die Probe stellen musste.

„Richte Okao und den Häuptlingen aus, dass sie Gangplank unterstützen sollen“, befahl Illaoi der Hierophantin. „Sie sollen ihm helfen, die Stadt zurückzuerobern.“ „Die Stadt ist im Chaos versunken, viele trachten ihm nach dem Leben. Er wird diese Nacht nicht überleben“, grummelte die Hierophantin, als sie dem verwundeten Kapitän nachsah, wie er sich die Treppen hinunterquälte. „Und doch ist er der Richtige für die Aufgabe“, sagte Illaoi, als sie das Auge des Gottes auf ihre Schulter nahm. Wir können niemals sicher sein, ob wir das Richtige tun, wie sich die Dinge entwickeln oder wann wir sterben. Aber das Universum gibt uns Verlangen und unsere Instinkte. Also müssen wir uns auf sie verlassen. Mit dem Götzen der Trägerin auf den Schultern lief sie die Stufen hinauf, die vom Hof in den inneren Tempel führten.

Die Bürde wog schwer – doch Illaoi trug sie gerne.

Sehr gerne sogar.

Champion Hintergrund Strategie Skins & Trivia

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki